Im Zuge der sich immer weiter verschärfenden Euro-Krise habe ich das Buch von Hans-Olaf Henkel „Rettet unser Geld“ mit großem Interesse gelesen.
Mir sind seine Auftritte in den Talk-Runden noch in guter Erinnerung, wo er nicht
müde wurde, die Vorzüge des Euros zu lobpreisen, um die euroskeptischen Deutschen
umzustimmen. Gegen den Mehrheitswillen der Bürger und ohne Volksabstimmung wurde die stabile DM abgeschafft und der Euro eingeführt.
In seinem Buch beschreibt Hans-Olaf Henkel schonungslos und mit bemerkenswerter Klarheit die Gründe des Scheiterns des Euros und er benennt sie – es sind die Rechtsbrüche. Im Verstoß gegen den § 125 Abs. 1 Lissabon-Vertrag – no bail-out-Klausel – sieht er die Hauptursache der Krise.
Der nächste gravierende Fehler ist der Regelverstoß der EZB, Staatsanleihen
aufzukaufen.
Diese Kritik an den gravierenden Rechtsverstößen durch Politik und EZB-Verantwortliche zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch. In seinen Augen wird Deutschland von Anbeginn der Währungsunion zum Zahlmeister, während andere Länder mit ihrer Selbstbedienungsmentalität ungeniert Milliarden über Milliarden kassieren.
Anders als unsere Politiker will er das gescheiterte Währungsexperiment
Euro beenden und schlägt als Lösung die Einführung des Nord- und eines Südeuros vor.
Er begründet die Teilung des Euros damit, dass damit die unterschiedlichen
Wirtschaftstrukturen, die kulturelle und fiskalische Mentalität der so schwer zu vereinbarenden Teile in Europa, Rechnung getragen wird.
Der Nordeuro als Zeichen für Stabilität und Wirtschaftskraft der Länder wie Deutschland, Niederlande, Finnland, Österreich – also kurz gesagt, der Länder, die jetzt
für die unseriös wirtschaftenden Länder bürgen müssen und der Südeuro, der dann wieder abwerten kann, damit die weniger wettbewerbsfähigen Länder sich eine Chance auf Wettbewerbsfähigkeit zurückerobern können.
Im letzten Kapitel seines Buches beschäftigt sich Hans-Olaf Henkel mit dem EU-Beitritt der Türkei. In diesem Kapitel erkennt man ihn wieder – den ehemaligen Wirtschaftslenker und ehemaligen BDI-Chef. Hans-Olaf Henkel tritt leidenschaftlich für den Beitritt der Türkei in die Europäische Union ein. Er begründet das natürlich
mit den famosen Aussichten, die sich die deutsche Wirtschaft davon verspricht. Er glaubt, auch damit die Wanderungsbewegung der Türken nach Deutschland einzudämmen.
Mein Fazit zu diesem Kapitel – hier irrt Herr Henkel wie beim Euro.
Die Gewinne, die die Wirtschaft aus der Erweiterung der EU ziehen wird, werden
privatisiert, die Kosten der Zuwanderung in die sozialen Sicherungssystem bleiben wie immer dem deutschen Steuerzahler. Das die Mehrheit der Deutschen, wie beim Euro
gegen einen Beitritt der Türkei zur EU ist, ignoriert Herr Henkel.
Er scheint aus seinem großen Irrtum nichts gelernt zu haben und seine Position ist auch deshalb so widersprüchlich, da er Thilo Sarrazin mit seinen Thesen zur Zuwanderung ausdrücklich unterstützt und das auch in seinem Buch mehrfach zum Ausdruck bringt.
Dieses Kapitel hat den guten Gesamteindruck, den ich beim Lesen des Buches hatte, in Teilen zerstört. Trotzdem das Buch ist lesenswert, und ich pflichte Thilo Sarrazin bei mit seiner Aussage:
„Man möchte das Buch zur Pflichtlektüre für jeden Bundestagsabgeordneten machen, damit der Bundesregierung endlich mal die richtigen kritischen Fragen gestellt werden.“
Die gegenwärtige Entwicklung gibt jedoch wenig Anlass zur Hoffnung, dass unsere Abgeordneten sich die richtigen Fragen stellen und nicht mehr alternativlos der Kanzlerin und ihrem unfähigen Finanzminister Schäuble weitere Rettungsmilliarden
abnicken.
Marianne Spring
Mai 2011