Rettung der sogenannten „Erneuerbaren Energie“ durch „Miesmachung“ der Atomindustrie

… könnte man in Analogie zu dem Artikel sagen, zu dem ich hier Stellung nehmen möchte. Sei es die „Atomlobby“ oder die Lobby der Wind- und Sonnenenergieerzeuger, das  gegenseitige Vorrechnen von Kosten sagt nicht alles. Jeder geht von anderen Grundlagen aus. Fakt ist: Mit erneuerbarer Energie ist heute und in naher Zukunft das Energieproblem nicht zu bewältigen. Man denke nur an die Unstetigkeit der Windstärken und an die geringe Energiedichte der Sonneneinstrahlung auf der Erde und im besonderen in Deutschland. Solange nicht genügend Speicherkapazitäten zur Verfügung stehen, ist eine stabile Grundlastversorgung illusorisch. Je geringer die Energiedichte ist, umso höher ist der technische und flächenmäßige Aufwand.

Ein Beispiel:
Um ein Kernkraftwerk (KKW) (Nettoleistung 1400 MW) zu ersetzen, sind  bis zu 3690 Windräder mit einem Flächenbedarf von 738 km² erforderlich.
Eine Solarstromanlage würde einen Flächenbedarf von 700-900 km² beanspruchen.
Der Flächenbedarf eines KKW beträgt etwa 2 km². Der 1600 MW EPR (European Pressurized Water Reactor) Druckwasserreaktor, ein Reaktor der 3. Generation in Olkiluoto in Finnland, benötigt nur noch eine Fläche von 0,6 Km²
(Daten beruhen auf der „Leitstudie 2010“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt,  TU München und dem Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. vom 27.08.2009)
Allein die Relationen des Flächenverbrauchs sprechen eine deutliche Sprache.
Durch die wetter- und tageszeitliche Schwankungsbreite ist diese „Grüne Energie“ für eine stabile Grundlastversorgung völlig ungeeignet.

Dass Kohlekraftwerke heutzutage keine „Dreckschleudern“ mehr sind, die Unmengen von Staub in die Atmosphäre emittieren, ist schon wahr.
Dass aber bei der Verbrennung fossiler Energieträger in Kohlekraftwerken neben CO2 auch verschiedene radioaktive Stoffe in die Luft gelangen und in der Asche angereichert werden, ist weitgehend unbekannt. So gelangen jährlich weltweit etwa 10000 Tonnen Uran und 25000 Tonnen Thorium in den Verbrennungsprozess. Da bekanntermaßen Radioaktivität nicht verbrannt werden kann, wird sie über den Schornstein emittiert oder verbleibt in der Asche. Deren Anreicherung kann bis zu 200 ppm betragen, also ein Wert, wo in manchen Gegenden der Uranerzabbau  noch wirtschaftlich betrieben wird. Bei Normalbetrieb ist die Abgabe von radioaktiven Stoffen in die Umwelt bei Kohlekraftwerken höher als bei Kernkraftwerken.
Die effektiven Dosen liegen bei 0,4µSv (Sievert = Energiedosis unter Berücksichtigung der Strahlenart und der Empfindlichkeit von Organen und Geweben), in Einzelfällen bis zu 100µSv. Auf die CO2-Problematik möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Wie steht es nun um die Gefährlichkeit der Kernkraftwerke? Eine 100% ige Sicherheit ist wohl in keiner technischen Anlage zu erreichen. Aber der Mensch ist bestrebt, nahe an dieses Ziel heranzukommen. Das trifft in besonderer Weise auf Kernkraftwerke zu. Deutsche KKW`s werden nach Möglichkeit immer auf dem Stand der Technik gehalten und ständig modernisiert. Es gibt einfach keinen in Betrieb befindlichen sogenannten „Schrottreaktor“. In Deutschland gab es in der über 40-jährigen Existenz von KKW keinen einzigen Todesfall im direkten Zusammenhang mit Radioaktivität. (In der kurzen Einsatzzeit von Biogasanlagen bereits 5 Tote - Zeven 2005) 
Selbst nach den Horrormeldungen deutscher Qualitätsmedien über Fukushima ist nach dem IAEA-Zwischenbericht vom 01.06.2011 kein Mensch durch Radioaktivität zu Schaden gekommen. Natürlich wird es wieder Stimmen geben, die das anzweifeln und die Opfer nicht hoch genug darstellen. Indoktriniert durch die Medien und den Zeitgeist sind diese Menschen auch durch sachliche Argumente, wissenschaftliche Begründungen und physikalische Gesetzmäßigkeiten nicht von tatsächlichen Gegebenheiten zu überzeugen. Ich muß mich nur wundern über Leute, die auf die Straße gehen, um gegen KKW`s zu protestieren, obwohl in ihrer Umgebung weit uns breit kein Kraftwerk steht, aber sich keine Gedanken machen, sich beim Arzt oder Zahnarzt röntgen zu lassen. Dort fragt keiner, welche Dosis er abbekommt. Sie liegt zwar meist im µSv Bereich, aber wenn es das 10 oder 100 fache wäre, würde sich auch keiner dran stören. Auch über das Atomwaffenarsenal der Amerikaner in Büchel /  Eifel regt sich auch keiner auf. Eigenartig ist das schon.

Einige Bemerkungen zur Entsorgung des radioaktiven Abfalls. Im Verhältnis zu Kohlekraftwerken, wo Millionen Tonnen von Kohle verbrannt werden und entsprechend Asche anfällt, sind die Mengen an Abfall in Kernkraftwerken gering. So beträgt die jährliche Abfallmenge eines Kernkraftwerkes 210 m³, also ein Würfel von knapp 6 m Kantenlänge, davon wiederum sind nur 5% hochaktiv. Würde die Wiederaufbereitung genutzt werden, wären sie noch geringer und wertvoller Brennstoff könnte wiederverwendet werden. Daraus und aus der großen Menge des produzierten Stroms sind auch hohe Kosten pro Kilogramm akzeptabel.  
Eine Gesetzmäßigkeit des radioaktiven Zerfalls ist die Halbwertzeit, d.h. in einer bestimmten Zeit ist die Hälfte der Kerne zerfallen. Je nach Nuklid gibt es Halbwertzeiten von Millisekunden bis zu vielen Milliarden Jahren. Kurze Halbwertzeiten bedeuten hohe Radioaktivität, lange Halbwertzeiten geringe. Im Gegensatz zu chemischen toxischen Stoffen, die immer giftig bleiben, nimmt die Aktivität also ständig ab.
Um das Endlagerproblem für die Zukunft lösen zu können, wird intensiv daran geforscht, radioaktive Stoffe durch Transmutation in nicht oder wenig strahlende umzuwandeln. Forscher glauben, dieses Ziel in den Nächsten 20 Jahren erreichen zu können. Solche unwiderlegbaren Fakten sind natürlich nicht im Sinne der Kernkraftgegner.   
Mit Nukliden langer Halbwertzeiten, die sich überall in der Erdkruste befinden, lebt der Mensch seit Jahrtausenden. Kalium 40 hat eine Halbwertzeit  von 1,28 Milliarden Jahren, es befindet sich durch Nahrungsaufnahme im Körper eines jeden Menschen. Die Gesamtaktivität des menschlichen Körpers beträgt 8000 bis10000 Bq. (Becquerel Bq ist ein Maß für die Aktivität und gibt die Zahl der Kernumwandlungen pro Sekunde an)

Noch ein Wort zur philosophischen Betrachtung.
Im Artikel wird gesagt, dass es sich bei der Kernspaltung philosophisch betrachtet um ein Sonderproblem handelt, weil es sich bei den Atomen um Bausteine der Schöpfung handelt. Es wäre ein „Verbrechen an Gottes vollkommenen Gesetzen“. So betrachtet ist die Kernspaltung nicht eine Erfindung des Menschen. Ich denke an den Naturreaktor Oklo in Gabun der vor 2 Milliarden Jahren in Betrieb war. Die spontane Kettenreaktion lief  über einen Zeitraum von 500000 Jahren. Könnte das nicht ein Hinweis gewesen sein, der Menschheit zu zeigen wie sie die zukünftig anstehenden Energieprobleme lösen könnte?

Der Ausstieg aus der Kernenergie macht Deutschland nicht sicherer, ist finanzpolitisch, energiepolitisch und wirtschaftlich nicht erklärbar. Es ist eine rein politisch-ideologische Fehlentscheidung. 

 

Weitere Quellen:  Bundesamt für Strahlenschutz
                        Bund für Umwelt und Naturschutz
                        Informationskreis Kernenergie

 

Dietmar Liebe