Uns geht es doch so gut!(?)

Elke und Dr. Gundolf Fuchs

Hier wird ein nicht seltenes Verhalten von Mitmenschen unter die Lupe genommen, das sie an den Tag legen, wenn sie auf Mißstände angesprochen werden und am liebsten gar nichts hören wollen!
Die Meinungsformung durch die gleichgeschalteten Medien hat auf dem Gebiet der Volkserhaltung leider solchen Erfolg gehabt, daß Warner vor der Volkszerstörung  kaum Gehör finden. Die Warner können noch froh sein, wenn sie nicht mit den propagierten Schlagworten „Nazi“ und „Rassist“ verunglimpft werden. Aber der zelebrierte Abscheu vor solchen Gedanken entspringt auch dem Unbehagen, sich überhaupt für politische Fragen mitverantwortlich zu fühlen. Das erkennt man ganz deutlich an der Reaktion von Zeitgenossen auf das parteipolitisch neutrale Thema der Verschuldung der Bundesrepublik Deutschland.
Da wurde ein Warner tatsächlich gefragt: „Machst Du Dir darüber etwa schlaflose Nächte?“ Und es wurde hinzugesetzt: „Uns geht es doch so gut!“ Das sollte wohl heißen: Was haben wir davon, wenn wir uns die „gute Gegenwart“ durch – vielleicht sogar unnötige – Sorgen um die Zukunft nehmen lassen?
Das ist ein Standpunkt, den man überdenken muß. Eine Antwort, ob es uns wirklich gutgeht, hängt von der Lebenseinstellung ab. Wer nur Lust erleben will und die Verantwortung als lästige Bürde empfindet und der dazu noch sagt: „Nach mir die Sintflut“, der konnte in den letzten 50 Jahren meistens sagen: Mir geht es doch gut. Solche Menschen fühlen auch die geistig-seelischen Ketten nicht, die verantwortungsbewußten Menschen durch verfehlte Politik und entsprechende Rechtsprechung angelegt worden sind. Natürlich gab es immer Fälle, in denen einzelne schwer von der falschen Politik getroffen wurden. Denken wir nur an die vielen Opfer der Straßengewalt, die auf falscher Ausländerpolitik und lascher Justiz beruhen. Aber soll sich die Masse darüber grämen und sich das Leben verderben lassen?
Wer bei einer solchen Einstellung in den letzten 30 Jahren gestorben ist, der hat es mindestens 20 Jahre wirklich gut gehabt, wenn man die Maximierung der Lust für den Lebenssinn hält. Er hätte auf manche Annehmlichkeit verzichten müssen, wenn sich die Staatsführung über eine verantwortungslose Schuldenpolitik nicht bei den Genügsamen, rein Ichsüchtigen hätte beliebt machen wollen.
Aber kann eine solche kraß materialistische Lebenseinstellung wirklich befriedigen? Das ist gewiß nur bei wenigen der Fall. Das erkennt man z.B.  an der Äußerung der Finanzminister der letzten 40 Jahre, die jedes Mal mit der Versicherung antraten, die Schuldenpolitik des Vorgängers nicht fortzuführen. Am Ende ihrer Amtszeit waren die Schulden weitergestiegen. Spätestens nach dem zweiten Mal, wenn die Versprechungen nicht eingehalten wurden, hätte man diesen Politikern keinen Glauben mehr schenken dürfen und wachsam sein müssen. Aber die Mehrheit ließ sich weiter erzählen, auf wieviel Annehmlichkeiten sie Anspruch hat, und prüfte nicht nach, wie die „Wohltaten“ bezahlt wurden. Das ging nur über weitere Verschuldung!  
Die Einstellung „Nach mir die Sintflut“ drückt sich auch in bewußter Kinderlosigkeit aus, denn sobald diese Einstellung zur allgemeinen wird, stirbt die Menschheit aus. Der gewollt  Kinderlose, braucht sich keine Sorgen um das Schicksal seiner Kinder und Enkel zu machen. Einem Fehlschluß kann er möglicherweise trotzdem erlegen sein. Wer gibt ihm die Sicherheit, daß ihn die Kinder und Enkel anderer Leute seinen Lebensabend erträglich machen. Das gilt ganz besonders, wenn diese Kinder und Enkel aus Fremden bestehen, wie das durch Sarrazin weiten Kreisen bewußt geworden ist.
Diese Betrachtung zeigt, daß Zweckdenken allein nicht der richtige Berater für die Lebensführung  ist. Ein wenig Idealismus gehört zum Leben dazu, wenn es nicht unwürdig sein soll. Die Schwierigkeit ist jedoch,  daß Zweckdenken und Idealismus so wenig verwandt sind, daß man nicht aus Zweckmäßigkeitsgründen „idealistisch“ sein kann. Also kann Verantwortung nicht aus Zweckmäßigkeit übernommen werden, sondern nur um der Menschenwürde willen. Gäbe es in der Menschenseele nicht eine zweckfreie Regung, die ein Handeln nach den Wünschen zum Guten, Wahren und Schönen ersehnt, dann wäre die Menschheit an Eigensucht bereits längst untergegangen. Denn ist gerade der Mensch, dem die freie Entscheidung in moralischen Fragen geschenkt ist. Teuer erkauft wurde diese Entscheidungsfreiheit in dieser Schöpfung, denn mit ihr ging die zuverlässige Sicherung der Art verloren, die den Tieren in ihren Instinkten gegeben wurde. Aber das ist ja das Wesentliche an der Freiheit, daß sie eine Herausforderung an den Menschen ist. Die äußere Freiheit ist natürlich auch wichtig, aber es ist die innere Freiheit, die ihr erst den Wert verleiht. Ohne diese kann die äußere Freiheit schnell in Zügellosigkeit ausarten, wie das bei den meisten Revolutionen zu beobachten ist.