Rettung der Atomindustrie durch „Miesmachen“ anderer Energiegewinnungsarten!


Die Atomindustrie versucht auf allen Wegen, den Betrieb von Kernkraftwerken als unverzichtbar zu erklären. Ein Mittel dazu sind die Klimakonferenzen, mit dem Ziel, den Einsatz von fossilen Brennstoffen stark zu begrenzen. Diese Methode hat bisher nur den „Zertifikat-Händlern“ Gewinne gebracht. Nun wird auch noch die unmittelbare Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung als teuer und „ineffizient“ verdammt.

Die Hysterie über eine Erderwärmung durch verstärkten CO2-Ausstoß hat den Bau von Kohlekraftwerken in Verruf gebracht. Dem einfachen Volk ist eingeredet worden, es handle sich bei Kohlekraftwerken um furchtbare „Dreckschleudern“. Nun ist CO2  aber ein Gas, das sich mit Luft mischt. Es ist kein Aschestaub, der in die Luft geschleudert wird. Natürlich gibt es bei der Verbrennung von Kohle auch Ascheanteile. Diese werden aber durch die modernen Filteranlagen sehr gut zurückgehalten, der „Dreckauswurf“ ist also nur minimal!
Aber über den Wahn von der Bedrohung unseres Erdenlebens durch CO2 soll die Nutzung der Kernenergie als das kleinere Übel dargestellt werden. Dazu wird der Vergleich verbreitet: Wenn es in einem Kernkraftwerk zu einem größeren Unfall kommt sterben 100.000 Menschen. Wenn aber durch die Erderwärmung der Meeresspiegel um etliche Meter steigt, verlieren eine Milliarde Menschen ihre Lebensmöglichkeiten, also das Leben.
Die „Welt am Sonntag“ wählt am 26.06.11 als Titelthema „Der große Solarschwindel“.  Dazu wird auf Seite 15 eine Deutschlandkarte gezeigt, die mit Sonnenkollektoren übersät ist. Zur Einstimmung heißt es: „Die Deutschen glauben an die Sonnenenergie, sie soll auch in Zukunft stark subventioniert werden. Das gefährdet eine tatsächliche Energiewende – denn die Kraft der Sonne ist teuer und ineffektiv.“
Im Text wird davon berichtet, daß nach einer Umfrage für 99 Prozent der Deutschen die Sonnenenergie die „Wunschenergie“ ist. Das ist verständlich, weil die Sonnenenergie am „stillsten“ gewonnen werden kann, während Windräder mehr Lärm machen und sich dem Blick mehr aufdrängen. Sicher ist hier eine ausgewogene Förderung und Forschungsaktivität nötig, aber ein Miesmachen des Bemühens um eine Ausnutzung der Sonnenenergie ist keineswegs angebracht. Der Hinweis auf die hohen Kosten ist auch verfehlt. Wenn man die Wirtschaftlichkeit des „billigen“ Atomstroms einmal richtig beleuchtet, so ist er mit Abstand der teuerste, allein wegen des Atommüll-Problems. Das, was heute an strahlendem Müll erzeugt wird, muß 600 bis 1000 Jahre sicher verwahrt werden, wenn nicht flächendeckend – weil über das Grundwasser verbreitet – schwere Gesundheitsschäden durch radioaktive Teilchen hervorgerufen werden sollen. Die katastrophale Lage im Atommüll-Lager Asse II, die bereits nach Jahrzehnten – nicht erst in Jahrhunderten! – eingetreten ist, sollte wirklich Warnung genug sein, den „Atomstrom“ nicht als „kostengünstig“ zu preisen, weil man die Endlagerung bisher auf sträflich „billige“ Weise betreibt.
Die Kosten für eine „Sanierung von Asse II“, das heißt für ein Ausräumen der teils defekten Fässer, sind derart hoch, daß man gar nicht wagt anzufangen und die notwendige Aufgabe lieber vor sich herschiebt. Natürlich hat das zur Folge, daß der Sanierungsaufwand immer kostspieliger wird.
Die Folgen wie bei einem Unfall in Fukushima verteuern rein wirtschaftlich die Atomenergienutzung noch beträchtlich, vom menschlichen Leid durch Strahlenschädigung ganz zu schweigen.
In dem Wams-Artikel ist ein Abschnitt „Der Hausbesitzer: Herbert Musolf“ eingefügt. Wichtig daran ist, daß hier die ideelle Seite des Ausbaus erneuerbarer Energien in den Vordergrund gestellt wird. Es handelt sich offensichtlich um einen begüterten Mann. Aber Wohlhabenheit bedeutet keinesfalls, daß der Betreffende sich um Allgemeines kümmern muß. Die Investitionen in die Sonnenenergiegewinnung betrugen für ihn mehrere Zehntausend Euro, und es heißt: ..., er würde auch dann auf Solarstrom setzen, wenn es keine Förderung vom Staat gäbe.  Musolf tritt auch für sparsamen Umgang mit der Energie ein. Das nennt man eine sittliche Verwaltung von Eigentum!
Bei der Frage des Nutzens der Sonnenenergie darf auch nicht nur auf Deutschland geblickt werden. Praktische wissenschaftliche Forschung kann nicht nur in Instituten erfolgen, sondern es muß auch eine Rückkopplung mit der praktischen Anwendung geben. Genau wie die Anwendung der Windkraftwerke zu immer höherem Wirkungsgrad der Anlagen führte, werden auch beim Betrieb von Solaranlagen weitere Erkenntnisse gewonnen, die dann den Ländern zugute kommen, die reichlicher mit Sonnenenergie versorgt werden.
Wie eingangs erwähnt, ist gegen Kohlekraftwerke nichts einzuwenden. Wegen des noch nicht befriedigend gelösten Speicherproblem für elektrische Energie sind witterungsunabhängige Kohlekraftwerke sogar eine notwendige Ergänzung.
Die Szenarien, daß wir durch unmittelbare Nutzung der Sonnenenergie und auch durch deren mittelbare Ausnutzung in Windkraftwerken „verarmen“, dienen hauptsächlich dazu, eine Abkehr von den Kernkraftwerken als unsinnig erscheinen zu lassen.
Noch drastischere Unkenrufe kann man in der FAZ vom 01.07.11. S. 3, „Das Ende des Fortschritts“ lesen. Dazu die Einführung: „Einst wurde in der Kernkraft ein Segen gesehen, sie sollte ewig Strom liefern und Wüsten erblühen lassen. Dann kamen die Zweifel. Und schließlich Fukushima“.
Sollte der Mensch nicht lernfähig sein und aus unheilvollen Ereignissen notwendige Schlüsse ziehen, auch wenn man dabei von einem verlockenden Wunschbild Abschied nehmen muß?  Und haben die herrschenden Eliten in dieser Welt nicht gezeigt, daß sie einen Großteil der gewonnenen Energie in die Waffenproduktion für die Zerstörung „blühender Wüsten“ stecken – wie gerade in Libyen vor Augen geführt – und später weitere Energie und Rohstoffe für den Wiederaufbau der zerstörten Einrichtungen verbrauchen?
Auf die einzelnen Argumente soll hier nicht eingegangen, sondern nur darauf hingewiesen werden, mit welchen Mitteln ein deutscher Abschied von der Kernenergie mittelbar als Katastrophe dargestellt wird.
Auf Seite 2 der FAZ vom 01.07.11 wird „Im Gespräch mit Kirill Komarow Rosatom“, dem stellvertretenden Generaldirektor des staatlichen russischen Atomenergiekonzerns, die These dargelegt: „Manche Länder müssen Kernenergie verwenden“.  Zu diesen Ländern zählt sich offensichtlich Rußland. Denn in Rußland wollen wir bis 2030 mindestens 28 neue Reaktoren aufstellen. Für unser Auslandsgeschäft läuft eine konservative Schätzung für die gleiche Periode auf die gleiche Zahl hinaus: 28 bis 30 Einheiten. Unsere wichtigsten Kunden sind China, Indien, Vietnam und Bangladesch. Und dann werden weitere Kunden im Nahen Osten genannt.
Bei solchen Aussagen „kann“ der Leser doch gar nicht anders, als die Entscheidung der Bundesregierung zum Ausstieg für gefährlich zu halten. Weiterhin wird der Ministerpräsident der Ukraine mit der Begründung angeführt, weshalb die Ukraine trotz Tschernobyl weiter auf Kernenergie setzt: ..., weil die Ukraine kein  reiches Land ist. Er legt folgende Rechnung vor: Der Preis für Atomstrom in der Ukraine ist zwei amerikanische Cent je Kilowatt (gemeint ist Kilowattstunde!). Strom aus Kohlekraftwerken kostet sechs Cent und aus erneuerbaren Energien elf.
Abgesehen von der falschen Berechnung der „Atomstromkosten“ ist bei dieser Absage an unwirtschaftliche erneuerbare Energien zu bedenken, daß es unseren heutigen Wohlstand nicht gäbe, wenn die Fortentwicklung nur nach dem Gesichtspunkt der Augenblickskosten erfolgt wäre. Jede Forschung ist eine Investition in die Zukunft. Die Forschung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien bedeutet Sicherheit für die Zukunft, statt einer schweren Hypothek für zahlreiche kommende Generationen durch weitere Nutzung der Kernenergie!
Auf Seite 16 liest man dann über „Das Feuer am Atomfeuer – In New Mexico wüten verheerende Waldbrände – auch Los Alamos ist bedroht. Und welche Bedeutung hat der Ort Los Alamos? Es ist der geschichtsträchtige Ort, in dem während des Zweiten Weltkriegs mit der Entwicklung der Atombombe das atomare Feuer entfacht wurde. In diesen Tagen jedoch ist der kleine Ort und das angrenzende nukleare Forschungszentrum von einem Brand bedroht, der schon mehr als 30.000 Hektar Wald und Buschland verbrannt hat.
Solche Katastrophe ereignet sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und bedroht ein Kernforschungszentrum, das sicher nicht frei von radioaktivem Material ist. Das Personal wurde bereits evakuiert, das heißt, man ist nicht sicher, ob man das Gebäude vor den wütenden Bränden schützen kann. Wenn schon nicht-atomare Feuer atomare Anlagen bedrohen, wieviel größer ist die Gefahr, daß das „Atomfeuer“ selbst zum gewaltigen Gefahrenherd wird.  
Philosophische Erkenntnisse werden von Technikern gern in den Bereich des Mystischen verschoben, die den „mit beiden Füßen im Leben stehenden Menschen“ nur verunsichern. Zweifellos ist es nicht die Aufgabe der Philosophie, sich um einzelne technische Probleme zu kümmern, aber die Kernspaltung ist ein Sonderproblem, weil es sich bei den Atomen um die Bausteine dieser Schöpfung handelt. Mathilde Ludendorff hatte erkannt, daß die Zerstörung dieser Bausteine durch Kernspaltung ein Unheil ist. Sie nannte es ein „Verbrechen an Gottes vollkommenen Gesetzen“, weil die erzeugten strahlenden Teilchen Pflanze, Tier und Mensch gefährlich bedrohen. Wenn der Mensch dennoch diesen Eingriff wagt, wird er vor unlösbare Probleme gestellt, wie sich immer mehr zeigt. Deshalb sollte die philosophische Warnung zumindest bei der Entscheidung über weitere technische Projekte mit einbezogen werden.   

Elke und Dr. Gundolf Fuchs