Die Grenze!

Haben Sie sich je vorgestellt, unsere Heimat könne wieder geteilt sein? Nein? Nun im privaten TV-Sender SAT1 hat man tatsächlich das Budget aufgebracht, dieses Denkspiel in einen zweiteiligen Fernsehfilm umzusetzen. Ich habe mir entgegen zeitweiliger Anfälle schweren Kopfschüttelns dennoch den vollen „Genuß“ angetan, dieses privatmediale (?) Machwerk anzusehen.

Kernhandlung in diesem Film ist die Kluft zwischen „Linken“ und „Rechten“ in einem anarchisch überschwemmten Rostock. Und nur ganz am Anfang im ersten Teil wurde mal kurz darüber schwadroniert, in welcher Form sich eine weitere wirtschaftliche und finanzielle Schockwelle für die Menschen in unserem Lande auswirken könnten. So geht der gerade ergatterte Job schon vor Antritt wieder verloren, der einst hochbezahlt Werbefachmann steht vor seiner vom Hausmeister verriegelten, weil nicht bezahlten Eigentumswohnung und der brave rostocker Kutterkapitän kann von seinen Hafenjungs gerade noch so daran gehindert werden, den Kuckuckkleber über die Kaikante ins Brackwasser zu werfen, der gerade seinen Fischkutter gepfändet hatt. Diese durchaus vorstellbaren und so alltäglich heute schon geschehenden Einzelschicksale werden umrahmt von originalen Nachrichtenklips über Krawalle in deutschen Großstädten, bei denen nicht mal aufwendige Dreharbeiten notwendig waren, hier wurde der Regisseur in den Nachrichtenarchiven der letzten 24 Monate mit reichhaltigen Material überschüttet.

Ob nun eine Terrorwelle el Kaida’s gegen den ach so (wert-?)vollen Westen tatsächlich Anlaß genug wäre, in Deutschland weimarrepublikanische Zustände herbeizubomben, muß gar nicht Gegenstand einer Betrachtung sein. Überhaupt ist es nicht von Belang, wie die letzthin sich besonders im wahren Leben immer nachdrücklicher ankündigende Umwälzung zum Ausbruch kommen wird. Allein bedeutsam ist, wie oder was sich im  Zuge einer solchen Umwälzung ereignen wird.

Hier scheint mir dieser Hetzstreifen, der keinerlei Vergleich mit Endzeit-UFA-Filmenstreifen anno 194X zu scheuen braucht, reichhaltig Anlaß dafür zu bieten, die Furcht vor einem von skrupellosen Regionalpolitikern losgetretenen Bürgerkrieg zwischen Links und Rechts zu nähren.

Die bewußte Überzeichnung der „Bösen Rechten DNS-Partei“, deren Mitglieder in weiß-unschuldigen Anzügen durch den Streifen wuselten, und sogleich den Genickschuß als einzige Disziplinierungsmaßnahme nannten, ist all zu augenfällig, als daß dem geknechteten Mediensklaven a la Bundesrepublik nicht auffallen müßte, was er gefälligst zu denken hätte. Die menschenfeindliche Rechte wolle MeckPom zu einem neuen nationalsozialistischen Staat ausbauen. Verwundert ist man am Ende schon, warum Herr Schnell (Spitzenkandidat dieser rechten DNS-Partei) nicht auch schon Konzentrationslager in und um Rostock eingerichtete.

Ganz in diesem primitiv-propagandistischen Stil wird die NEUE LINKE als politische Gegenspielerin der DNS(NPD) als ein Gebräu aus 1918er Soldatenräten, seit 1989 freischärlernden EX-NVA-lern und runtergekommenen Prekariern (gemeinhin auch mit Hartzies betitelt) gezeichnet. Und soeben beim Verfassen dieser Zeilen fällt mir auf, daß in dieser Gruppe, obwohl eigentlich hervorragend hineinpassend, der npd-gejagte Quoten-Asylant oder besser noch gleich mehrere davon fehlten. Mithin also ein rein innerdeutscher Konflikt zwischen Linken und Rechten, der von den Machern zu einem nord-ost-deutschen Beirut in Rostock hochstilisiert wird.

Eine freundliche, ähnlich unschick gekleidete aber ebenso hilflos anmutende Film-Angela-Merkel, die scheinbar am Ende ihrer Möglichkeiten nur noch den Weg in die Abspaltung MeckPom’s vom Rest Deutschlands sieht, thront über allem. Eine vor Hilflosigkeit strotzende Kabinettssitzung folgt der anderen und der einzig „erfolgreich“ agierende ist der BND. Wie im wahren Leben hat er auch im Film (hier allerdings nur zwei) seine Akteure in der rechten Partei plaziert, die im richtigen Augenblick die gewünschte „demokratische“ Willensbildung im rostocker Wahlvölkchen herbeiführen. Wie eben auch im wahren Leben nicht etwa über die Auseinadersetzung mit den Zielen des politischen Widersachers, sondern über dessen persönliche Demontage.

Entfernt man nun mal diesen ganzen Unrat von dem Bild was uns die Macher hier zeichnen, so erblickt man folgende Botschaften, die die Auftraggeber (Wer das wohl sein mag?) dem deutschen Michel suggerieren wollen.

  1. DIE größte Gefahr geht vom internationalen Terror aus, der die Welt und auch Deutschland in das wirtschaftliche Chaos schickt!
  2. DER innere Feind in unserer Gesellschaft sind die Rechten, weil die immer eine nationalsozialistische Diktatur errichten wollen, die sich feindlich gegen alle Menschen richtet!
  3. Wenn schon dann lieber die Linke statt die Rechte, die haben zwar ein DDR-nostalgisches Rad ab, aber dafür verbrennen die nur Autos, schlagen höchstens mal Schaufenster ein und verprügeln wenn’s ganz dicke kommt mal ne Horde Polizisten, was ja eigentlich nich sooo schlimm ist.
  4. Die Bundesregierung, wie überhaupt alle braven Politiker im Lande, sind im Grunde eigentlich ebenso hilflose und unschuldige Opfer wie wir alle, und sie werden sich selbst in der Stunde größter Gefahr für unsere geliebte Demokratie ausschließlich der Mittel der demokratischen Willensfindung bedienen!
  5. Die Bundeswehr ist im übrigen gar nicht in der Lage, einen Krieg gegen das eigene Volk in deutschen Großstädten zu führen. Und Demonstranten und unschuldige Passanten verprügelnde Polizisten können eigentlich nur als Polizisten verkleidete Untergrundkämpfer der volksfeindlichen Rechten sein!
  6. Die deutsche Wirtschaft könnte sich gar eine deutsche Bananenrepublik mit himmlisch kurzen Lieferwegen ganz wunderbar vorstellen. Die zu erwartenden Gewinnspannen müßten ackermannsche 25 Prozent sicher erreichen, wenn nicht gar toppen. Damit sollte die Wirtschaftskrise doch zu bewältigen sein.
  7. MeckPom würde zur deutschen Aufschwungregion Nummer Eins. Zuzug ohne Ende! Wirtschaftswunder 2.0! Remake des Jahres 1949 – Geldgeber ist jetzt der große Bruder Rest-BRD. Der Marshall-Plan hieße wohl in dem Falle Merkel-Plan und würde von Ackermann finanziert und vermutlich mit 25% verzinst!

So nun schüttelt sich schon wieder mein Kopf wie von selbst. Diesmal vor Ehrfurcht ob einer solch propagandistischen Meisterleistung! Schließlich ist es nicht gerade einfach, die wirklichen Ursachen für den unweigerlich auf uns alle zukommenden Zerfall dieser Gesellschaftsordnung so zu verschleiern, auf daß sich der deutsche Michel beruhigt zurücklehnen kann. Und das in der Gewißheit, daß nach dem wirtschaftlichen Chaos alles wieder so wird, wie es mal war – nur eben einwenig anders.

„Ackermanns 25%“ – das eigentliche Übel in der abendländischen (Un-)Wertegemeinschaft – wird es nachher ebenso noch geben, wie unsere geliebte Mediendemokratie, die prall gefüllten Kaufhöhlen und den sympathischen, weil so volksnahen schwarz-gelb-rot-grün-dunkelroten Politiker von nebenan. Ein sch….öner Film.

 

Wem um eine Sache zu tun ist, der muss Partei zu nehmen wissen, sonst verdient er nirgends zu wirken.“ (J. W. v. Goethe)

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