Abschiedsbrief eines Spitzen-Journalisten Veröffentlicht: 29. März 2010
Einer der besten Journalisten der Vereinigten Staaten hört auf, weil niemand die Wahrheit hören will und die Lüge gewonnen hat. Er sagt: „Die Wahrheit ist gefallen und hat die Freiheit mit sich gerissen!“
Paul Craig Roberts, 71, Doktor der Volkswirtschaft, war Vizefinanzminister unter Präsident Ronald Reagan und ist ein bekannter Journalist, der für alle wichtigen Zeitungen wie das Wall Street Journal, Business Week, New York Times und viele andere Blätter geschrieben hat. Er hat 1992 den Warren Brookes Award für außerordentliche Verdienste als Journalist erhalten. Er wird als einer der besten sieben Journalisten der USA eingestuft.
In seinem neuesten Artikel, der möglicherweise sein letzter ist, gibt er bekannt, warum er fortan nicht mehr für die Medien arbeiten will: "Die reine Wahrheit ist eine unwillkommene Sache. Sie ist beunruhigend. Die, welche die Wahrheit verkünden, laufen Gefahr, als „Antiamerikaner“, „Antisemiten“ oder „Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt zu werden."
„Es gab einmal eine Zeit, als die Feder mächtiger war als das Schwert. Es war die Zeit, zu der die Menschen noch an die Wahrheit glaubten und die Wahrheit für eine unabhängige Macht hielten und nicht als ein Instrument, das Regierungen, Klassen, Rassen, Ideologien, persönlichen oder finanziellen Interessen dienstbar war.
Heute werden die Amerikaner durch Propaganda manipuliert. Die Amerikaner schätzen die Wahrheit nicht, sie haben wenig Zugang dazu und sind nicht in der Lage, sie zu erkennen.
Die reine Wahrheit ist eine unwillkommene Sache. Sie ist beunruhigend. Die, welche die Wahrheit verkünden, laufen Gefahr, als „Antiamerikaner“, „Antisemiten“ oder „Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt zu werden.
Die Wahrheit ist ein Ärgernis für die Regierung und für die Interessengruppen, die mit ihren Spenden die Regierung kontrollieren.
Die Wahrheit ist ein Ärgernis für die Staatsanwälte, die Verurteilungen anstreben, statt die Aufklärung von Schuld oder Unschuld zu betreiben.
Die Wahrheit ist ein Ärgernis für die Ideologen.
Heute werden die, welche sich für gewöhnlich um die Aufdeckung der Wahrheit bemüht haben, fürstlich dafür bezahlt, sie zu unterdrücken. Die Vertreter der „freien Marktwirtschaft“ werden bezahlt, den Amerikanern das Auslagern von Arbeitsplätzen ins Ausland schmackhaft zu machen. Amerikanische Arbeitsplätze, die eine hohe Produktivität haben und zu einer hohen Wertschöpfung beitragen, werden als schmutzig und als veraltet abgewertet. Es sind Relikte aus der Vergangenheit, wir sollten sie am besten loswerden. Sie wurden ersetzt durch die „New Economy“, eine erfundene Wirtschaft, welche angeblich aus Hightech-Bürojobs besteht, wo Amerikaner die Aktivitäten, die im Ausland stattfinden, verbessern und finanzieren. Alles, was die Amerikaner dazu benötigen, um an dieser „New Economy“ teilzunehmen, ist ein Wirtschaftsabschluss an einer Universität der Efeuliga (die acht Eliteuniversitäten im Nordosten der USA ). Dann werden sie an der Wall Street Jobs bekommen, mit denen sie Millionen verdienen.
Wirtschaftsexperten, die einmal respektabel waren, nehmen Geld, um zu diesem Märchen von der “New Economy” beizutragen.
Aber nicht nur Wirtschaftsexperten verkaufen ihre Seele für schnöden Mammon. In letzter Zeit haben wir von Medizinern gehört, die für Geld in von Fachleuten geprüften Journalen zusammengebraute „Studien“ veröffentlicht haben, die diese oder jene neue Medizin hochloben, welche von Pharmafirmen hergestellt werden, die für diese „Studien“ bezahlen.
Der Europäische Rat untersucht zur Zeit die Rolle der Pharmafirmen, die eine falsche Schweinegrippen-Pandemie aufgebauscht haben, um damit Milliarden an Dollar für den Verkauf des Impfstoffs zu erzielen
.
Die Medien halfen dabei, die kürzliche Marja-Offensive in Afghanistan aufzubauschen, indem sie berichteten, Marja sei eine Stadt, die von 80.000 Taliban-Kämpfern kontrolliert wird. Es stellte sich heraus, dass die Siedlung Marja nur aus einer kleinen Ansammlung dörflicher Bauernhöfe besteht.
Und dann gibt es den Skandal um die globale Erwärmung, in dem private Organisationen, die UNO und die Atomindustrie zusammen konspirierten, um ein Weltuntergangsszenario zu erfinden in der Absicht, unter dem Deckmantel „Umweltschutz“ Profite zu machen.
Wo immer man hinschaut, die Wahrheit ist dem Geld verfallen.
Dort, wo Geld nicht ausreicht, um die Wahrheit zu beerdigen, erledigen Ignoranz, Propaganda und ein kurzes Gedächtnis die Arbeit.
Ich entsinne mich, dass nach der Aussage von CIA-Direktor William Colby vor dem Church Kommittee Mitte der 70er Jahre die Präsidenten Gerald Ford und Ronald Reagan der CIA und anderen im Geheimen operierenden US-Gruppen untersagten, ausländische Staatsführer zu ermorden.
Im Jahre 2010 dagegen wurde der US-Kongress von Dennis Blair (amtierender CIA-Direktor) informiert, dass die USA jetzt sogar eigene Staatsbürger umbringen, neben ausländischen Staatsoberhäuptern.
Als Blair dem Geheimdienstkomitee offenbarte, dass US-Staatsbürger nicht wie bisher verhaftet, angeklagt, vor einen Richter gestellt und wegen eines kapitalen Verbrechens verurteilt werden müssen, sondern nur aufgrund des Verdachtes, sie stellten eine „Gefahr“ dar, ermordet werden können, wurde er nicht des Amtes enthoben. Keine Untersuchung folgte. Nichts passierte. Es gab kein Church-Kommittee.
Mitte der 70er Jahre bekam die CIA Ärger, weil sie Verschwörungen ausheckte, um Castro zu ermorden. Heute sind es amerikanische Staatsbürger, die auf der Todesliste stehen. Egal, welche Einwände es auch geben mag, sie haben kein Gewicht. Niemand in der Regierung bekommt irgendeinen Ärger wegen der Ermordung von US-Staatsbürgern durch die US-Regierung.
Als Wirtschaftsexperte bin ich überrascht, dass der Berufsstand der amerikanischen Wirtschaftsexperten keinerlei Einsicht hinsichtlich der Tatsache erkennen lässt, dass die USA durch die Auslagerung des produktiven Teils ihrer Wirtschaftskraft ins Ausland zerstört worden sind. In ihrer Jagd nach dem größten Vorteil für die Herrenriege der Industrie, bei der Suche nach den niedrigsten Löhnen und einem Maximum an „Leistungsboni“ für die Chefetage haben sie die Produktion von Waren und Dienstleistungen für den amerikanischen Markt nach China ausgelagert. Wenn ich bei Wirtschaftsexperten lese, die Auslagerung ins Ausland sei eben freier Wettbewerb, der auch uns Vorteile bringt, dann erkenne ich daran, dass es im Berufsstand der amerikanischen Wirtschaftsexperten keinerlei Intelligenz oder unbestechlichen Charakter mehr gibt.
Intelligenz und Integrität wurden mit Geld gekauft. Die transnationalen oder globalen US-Konzerne zahlen Multimillionen Dollar Abfindungspakete an die obersten Manager, welche diese „Leistungsauszeichnungen“ erzielen, indem sie US-Arbeiter durch ausländische ersetzen. Während Washington sich über die „muslimische Gefahr“ Sorgen macht, zerstören Wall Street, US-Konzerne und die Anpreiser der „freien Marktwirtschaft“ die US-Wirtschaft und die Zukunft für Abermillionen von Amerikanern.
Amerikaner, oder die meisten davon, haben bewiesen, dass sie Wachs sind in den Händen eines Polizeistaates.
Die Amerikaner haben die Behauptung der Regierung geschluckt, dass die öffentliche Sicherheit es notwendig macht, auf ihre Freiheitsrechte zu verzichten und das Festhalten an einer Regierung, die zur Rechenschaft gezogen werden kann, aufzugeben. Es ist erschreckend zu sehen, dass die Amerikaner, oder wenigstens die meisten von ihnen, glauben, dass die Freiheitsrechte wie im Habeas-Corpus-Gesetz formuliert und eine rechtsstaatliche Gerichtsbarkeit die „Terroristen“ schützt und nicht sie selber. Viele sind der Meinung, die Verfassung sei ein ausgelaugtes altes Dokument, welches die Regierung daran hindert, Polizeistaatsvollmachten auszuüben, welche notwendig sind, um den Amerikanern ihre Sicherheit und Freiheit zu erhalten.
Die meisten Amerikaner werden wahrscheinlich von niemandem etwas anderes hören.
Ich war Redakteur und Leitartikelschreiber für das Wall Street Journal. Ich war der freie Kolumnist Nummer eins bei Business Week und hielt diese Position für 15 Jahre. Ich war Kolumnist für ein Jahrzehnt für Scripps Howard News Service. Meine Kommentare dort erschienen in 300 Zeitungen. Ich war Kolumnist für die Washington Times und für Zeitungen in Frankreich und Italien und für ein Magazin in Deutschland. Ich war Artikelschreiber bei New York Times und habe regelmäßig für die Los Angeles Times geschrieben. Heute kann ich nichts mehr in den wichtigsten amerikanischen Zeitungen bringen. Ich werde ignoriert.
In den letzten sechs Jahren wurde ich aus den Zeitungen und aus dem Fernsehen verbannt. Meine letzte Kolumne in der New York Times erschien im Januar 2004, zusammen verfasst mit dem US-Senator Charles Chumer der Demokraten, der New York vertritt. Wir sprachen die Auslagerung der US-Arbeitsplätze an. Unser Artikel löste eine Konferenz am Brooking Institute in Washington DC aus, mit Liveübertragung durch C-Span (öffentlichrechtlicher TV-Sender). Eine Debatte darüber begann. Nichts dergleichen würde heute passieren.
Über Jahre war ich die Hauptstütze bei der Washington Times, verschaffte der Moony Zeitung Glaubwürdigkeit als Business Week Kolumnist, als ehemaliger Wall Street Journal Redakteur und ehemaliger Vizefinanzminister. Aber als ich anfing, die Angriffskriege von Bush zu kritisieren, bekam Mary Lou Forbes (einflussreiche Redakteurin verschiedener Zeitschriften, verst. 2009) von oben den Befehl, meine Kolumne einzustellen und mir zu kündigen.
Die amerikanischen Medienunternehmen dienen nicht der Wahrheit. Sie dienen der Regierung und den Interessengruppen, welche die Regierung steuern.
Das Schicksal Amerikas war entschieden, als die Öffentlichkeit und die Antikriegsbewegung die 9/11- Verschwörungstheorie der Regierung akzeptierte. Viele Sachverhalte widersprechen der Darstellung der Regierung zu den Vorfällen am 9/11. Dennoch ist dieses unsere Zeit prägende und bestimmende Ereignis, welches ungezügelte Angriffskriege und die Errichtung eines Polizeistaates in Amerika zur Folge hatte, ein Tabu, an dem die Medien nicht rühren. Es ist sinnlos, sich über die Kriege und den Polizeistaat aufzuregen, wenn die dubiose Basis, auf der diese Entwicklungen beruhen, akzeptiert wird.
Die Kriege, die Billionen kosten, haben die Finanzierungsprobleme für Washingtons Defizite verschärft und bedrohen die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung. Die Kriege und der Druck, welche das Haushaltsdefizit auf den Wert des Dollars ausüben, haben die Renten- und Krankenversicherung auf den Hackblock gelegt. Der ehemalige Vorsitzende von Goldman Sachs und US-Finanzminister Hank Paulson sind hinter diesem Schutz der Pensionäre her, Fed-Chef Bernanke auch und die Republikaner auch. Dieser Schutz wird als „Anwartschaften“ beschrieben, als wenn dies so eine Art Wohlfahrtsleistung wäre und nicht eine Leistung, welche die Menschen über die Lohnsteuer während ihres ganzen Arbeitslebens selbst erbracht haben.
Mit einer Arbeitslosenquote von 21 Prozent (gemessen aufgrund der 1980er Skala), mit amerikanischen Arbeitsplätzen, wirtschaftlicher Leitungskraft und Technologie nach China und Indien ausgelagert, mit diversen Kriegen, die in Washington Vorrang vor allen anderen Problemen haben, mit einem Dollar, dessen Wert durch Schulden überlastet ist, mit verlorenen Freiheitsrechten, die wir für den „Krieg gegen den Terror“ geopfert haben, mit all diesen Maßnahmen wurden Freiheit und Wohlstand der amerikanischen Bevölkerung in den Mülleimer der Geschichte befördert.
Der Militarismus der USA und Israels und die Gier der Wall Street und der Konzerne werden jetzt ungehindert ihren Lauf nehmen. Da die Feder zensiert wird und damit ihre Macht erloschen ist, melde ich mich ab.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von www.antikrieg.com