Stellungnahme zu dem Antifa-Protest am 10.10.2009 und dem „Lichtfest“ in Leipzig
Ich möchte hiermit den überwiegenden Mehrheit der Teilnehmer an der Antifa- Demo folgendes sagen:
Ihr seid 1989 gerade einmal aus den Windeln gewesen und spuckt heute Töne, die euch „Volksaufklärer“ suggerieren und euch manipulieren.
Der Grund eurer volkskritischen Äußerungen liegt darin, das unser Bildungswesen die Tatsachen und Ereignisse der Geschichte ausklammert und absichtlich verschweigt. Damit erhalten rechte und linke Randgruppen den notwendigen Tunnelblick, worauf es zu solchen Darstellungen der Geschichte kommt.
Ich, der schon vor dem 9.10.1989 bei diesen Demonstrationen dabei war und die 70.000 Menschen erlebt habe, weiß von was ich spreche.
Die hier in Leipzig und anderen Städten lebenden ehemaligen DDR Bürger haben mit ihrem Mut und ihren Protesten für Freiheit, Demokratie und freie Wahlen, ihrem Unmut Luft gemacht.
Wir waren es, die die Dinge in Bewegung gebracht haben und in der Folge den Sturz Honeckers vollzogen haben.
Dass im weiteren zu den Demos immer mehr Journalisten, Medien und politische Kräfte aus dem Westen Einzug hielten und diese Demos für ihre Berichterstattung und politischen Absichten ausgenutzt haben und damit auch systematisch eine schleichende Unterwanderung durchgeführt haben, ist aus heutiger Sicht nicht von der Hand zu weisen.
Uns Bürgern fehlte zu diesem Zeitpunkt auch die Erfahrung, wie ein solcher Umbau des Gesellschaftssystems am besten vollzogen werden kann. Unsere ganzen Hoffnungen lagen bei den Beteiligten des Runden Tisches in Berlin und den folglich frei gewählten Volksvertretern.
Dass in der Folge entscheidende Fehler gemacht worden sind, steht heute unzweifelfrei fest, was in einer überhasteten Einverleibung der DDR mündete.
Denn schon damals, wie auch heute, hatten die etablierten Westparteien mit Geld und anderen Dingen die „Freigewählten - Volksvertreter“ beeinflusst und diese in die Abhängigkeit eingebunden.
Uns fehlte zu dem damaligen Zeitpunkt der heute so wichtige Zugang zu dem Medium Internet, denn dann wären die notwendigen Informationen vorhanden gewesen und einiger Fehler wären vielleicht so nicht entstanden.
Ich denke aber trotz allem, dass wir die Ereignisse 1989/90 mit Respekt betrachten sollten und die dabei entstandenen Verfehlungen nicht ungeschehen machen können. Deshalb müssen wir aber mehr denn je darauf drängen, dass eine uneingeschränkte, geschichtliche Aufklärung des deutschen Volkes zu allen Ereignissen des 20. Jahrhunderts und bis heute stattfinden muss, denn sie ist auch die Grundvorrausetzung für eine reale Betrachtung der Zukunft Deutschlands.
Ich, der mit Bekannten und einem Plakat auch den 9.10.2009 hautnah in Leipzig miterlebte, war auch schon etwas überrascht, dass zwar sehr viele der ca. 100.000 Bürger mit Kerzen den damaligen Demonstrationsweg noch einmal abliefen, jedoch dieser von eine bedrückende Stille gezeichnet war.
Nichts gegen die Künstler, welche versuchten mit Licht und Musik an bestimmte Ereignisse zu erinnern, aber hier wäre weniger mehr gewesen. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, mit Hilfe von Lautsprecherwagen, welche den Demonstrationszug begleitet hätten, die Stimmung mit den damals verwendeten Losungssprüchen im Demonstrationszug anzuheizen und damit auch gleich auf aktuelle Missstände der heutigen Zeit zu verweisen.
Was ich als absolut beschämend betrachte, ist, dass sich Horst Köhler mit einer falschen Darstellung der Ereignisse öffentlich äußerte und dass kritische Bürger am Opernhaus öffentlich nicht zu Wort kamen. Hier sieht man wieder einmal, wie es um die freie Meinungsäußerung in Deutschland bestellt ist.
Ich persönlich hätte mich mehr gefreut, wenn wieder wie damals viele mutige Bürger die wichtigsten Themen unserer heutigen Zeit: Staatsschulden, sozialer Verfall, fehlende Volksentscheide für alle wichtigen Entscheidungen, Kriegseinsätze der Bundeswehr u.s.w., angesprochen hätten, denn da wäre wieder ein hörbares Signal von Leipzig ausgegangen.
Aber ich denke, es ist noch nicht zu spät und der Michel wird noch aufwachen, wenn die Katze aus dem Sack gelassen wird und die Probleme bei den Einzelnen größer werden.
Und im übrigen ist der Spruch „WIR SIND DAS VOLK“ von Leipzig und vom Gebiet der ehemaligen DDR ausgegangen und andere, die diesen Spruch verwenden, sollten sich der Tragweite dieser Worte erst einmal bewusst werden und danach handeln.
Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig
Dieter Weser