Notleidend sind nicht Unternehmen sondern die Menschen, die von wenig Geld leben müssen

Ständig ist in den Medien von notleidenden Unternehmen und Konzernen zu lesen und zu hören. Aber haben die Manager dieser Konzerne nicht Jahrzehnte hinweg sehr gut, aber eben über ihre Verhältnisse gelebt? Jahre lang auf Pump sich durchwurschteln, und das mit geliehenem Geld, was sich die kreditgewährenden Banken vielleicht auch noch bei anderen Banken geliehen haben, und die wiederum bei anderen. Und was macht der Staat? Er stützt ein System punktuell, obwohl Dach und Fundament eben dieses Systems total marode sind, wo es an allen Ecken reinregnet, weil es nicht darum ging, den Markt, das Land und die Wirtschaft zu pflegen, nein nur zu schröpfen. So beantragt beispielsweise Porsche ein staatliches Darlehen, weil der Konzern im Grunde insolvent ist, und eigentlich nicht einmal wirklich mehr der Familie Porsche gehört. Porsche wollte den viel größeren VW Konzern übernehmen. Dafür wurden jahrelang mit Geld, was eigentlich in das Unternehmen hätte investiert werden können und müssen, riskante Anlegergeschäfte getätigt. Nun ist die Familie Porsche pleite. Umgekehrt wollte auch VW Porsche übernehmen, was auch schief ging. In letzter Zeit war die Rede von einer Fusion. Aber es gibt ein Problem: Die beiden Familien Piech und Porsche, die eigentlich verwandt sind, streiten sich weiter. Diesmal um die Vorherrschaft beim neuen Gesamtkonzern. Es geht nicht um die Zukunft, um wirtschaftlichen Erfolg oder so etwas, eigentlich ist es wie im Kindergarten, wo sich zwei um die Schaufel oder den Sandkastenbagger streiten. Warum solch komische Unternehmerfamilien und deren riskante Geschäfte und private Familienfehden auch noch unterstützen? Nächstes Beispiel Commerzbank. Die muss ja unbedingt die Dresdner Bank kaufen, oder 100 Euro Prämie für Kontoeröffnungen zahlen, bzw. Kontoführungsgebühren erlassen, wenn der Kontobesitzer über 1000 Euro Einkommen im Monat hat. Und auch die Commerzbank gewährt Kredite, die sie dadurch finanziert, das sie sich Geld von anderen pumpt. Die Milliarden, die momentan in die Wirtschaft gepumpt werden, sind eigentlich auch geliehen. Von Banken, sicher auch von der Commerzbank. Doch wo ist das Geld hin, was eigentlich wirklich existiert, und nicht nur auf dem Papier oder in Computersystemen? Wahrscheinlich auf den Konten derjeniger, die für diese Lage verantwortlich sind. Die wirtschaftliche Lage der nächsten Jahre wird ein Szenario mit einem Schrecken ohne Ende. Obwohl für das Allgemeinwohl ein Ende mit Schrecken einfacher wäre, weil dann ein Neuaufbau erfolgen könnte. Denn trotz jahrzehntelanger Subventionen und Fördermitteln des Staats ist die Wirtschaft am Boden. Warum dann immer wieder dieser Fehler? Ich dachte, der Mensch begeht einen Fehler immer nur einmal und lernt dann daraus. Wenn ich mir die Politik in Berlin, den Ländern und den Kommunen, oder den Stil der Wirtschaftsbosse anschaue, dann zweifele ich aber sehr stark an dieser These. Aber bis zu den Wahlen kommt man ja noch durch und wenn man erst einmal gewählt ist, können die Leute, welche die wirklichen Opfer dieser Situation sind, eh nichts mehr dagegen machen... Ich fordere, jegliche Subventionen für Unternehmen, welche massive Schuldenberge durch Selbstverschulden angehäuft haben, einzustellen. Dann sollte man lieber, wenn mal eine Bank pleite geht, den Privatpersonen das dort angelegte bzw. gesparte Guthaben auszahlen. Aber nur im Bereich von 5000 bis 100000 Euro. Wer mehr als 100000 angelegt hat, bekommt maximal 100000. Wer keine Rücklagen bildet und trotz Schulden immer mehr Schulden macht, der kann keine Hilfe erwarten. Alles was unter und über diesen Bereich fällt, ist leider nicht zu tragen. Aber so reinigt und reguliert sich der Markt von selbst und es kann einen Neuanfang geben. Diejenigen, die von dieser staatlichen Regelung nichts haben, weil ihre Ersparnisse unter 5000 Euro weg sind, sollte die Bank pleite gehen, können davon auch profitieren.

Mich persönlich würde so ein Zusammenbruch nicht interessieren. Ich habe 2 Jahre lang von 200 Euro im Monat gelebt. Und es geht auch mit weniger. Irgendwas zu essen findet man immer. Auf dem Fensterbrett wächst Schnittlauch, ein Stück Butter kostet 65 Cent, was 3 Tage reicht und ein Brot kostet 2,10 Euro und hält auch 3 Tage. Irgendwie kann man sich schon durchwurschteln. Wahrscheinlich muss es erst einen Knall geben und alles bricht zusammen. Aber jeder sollte dran denken, was die ersten Siedler in den USA gedacht haben. Ein Neuanfang ist so befreiend. So dachten auch die Menschen nach dem 8. Mai 1945, oder nach dem Mauerfall 1989. Leider haben die Menschen versäumt, Politikern und Wirtschaftskonzernen zu zeigen, dass sie die Leistungsträger und das Fundament einer Gesellschaft sind. Sollte es wieder zu einem Zusammenbruch kommen, und wir fangen nicht an, zu zeigen, wer die wirklich treibende Kraft im Land ist, dann wird haargenau dasselbe passieren, wie bisher. In der Euphorie des Neuanfangs vergisst man ganz schnell, gesund misstrauisch zu sein und die Heuschrecken fangen von vorn an, sich selbst ungerechte Boni zukommen zu lassen und Vorteile zu verschaffen. Das war im alten Ägypten, Griechenland, bei den alten Mongolen, dem alten Rom oder den Fürstentümern und Königreichen im Mittelalter, oder den kommunistischen und kapitalistischen Systemen nicht anders. Also Augen auf, Brust raus, auf die Straße gehen und zeigen, dass wir noch Stolz, Ehrgefühl und Intelligenz besitzen. Meldet Demos an, oder besser, macht spontan welche die ihr kurzfristig anmeldet, und wenn es nur eine Kundgebung oder ein Infostand auf dem Marktplatz der Heimatstadt ist. Sucht im Internet nach angemeldeten Demos und zeigt, dass wir diesen Staat tragen. Oder redet mit den Gewerkschaften und organisiert Streiks. Unterstützt streikende Kindergarten-Mitarbeiter. Oder druckt euch T-Shirts, mit "Die Bank meines Vertrauens steht in meinem Garten", oder "Du bist Deutschland, du bist Pleite." Oder wie wäre es mit "Arbeiten statt Spanferkelgrillen, Frau Merkel!"? Zeigt, dass euch die Lage nervt.


Holger Sengstock