Bremer Professor über Versailler Vertrag
„ Der Versailler Vertrag war eigentlich doch gnädig” (?!)
Lorenz Jäger hatte in der FAZ dargelegt, daß es eine beschämende Haltung offenbart, wenn ein deutscher Regierungschef an den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Sieges über sein eigenes Land teilnimmt. Und es war schon schlimm genug, daß Bundeskanzlerin Merkel dies im Jahre 2009 tat. Aber ein Professor von der Bremer Universität, die als ganz links bekannt ist, sieht das ganz anders.
In seinem Leserbrief „Wir sollten mit einigen Legenden aufräumen” bezeichnet Prof. Dr. Gerhard Stuby die These vom Versailler Diktat als ein „hartnäckiges Trauma im kollektiven Bewußtsein der Deutschen”.
Wie charakterisiert Stuby dieses Trauma im einzelnen? „Ohne Versailles kein Hitler, ohne diesen auch nicht Stalin, ohne diesen aber kein Jalta und keine deutsche Teilung.” Und der Professor sieht in diesem „Trauma” die „übliche Entschuldigungskette.”
Lloyd George war wirklich kein Deutschenfreund, aber er hat gleich erkannt, daß das Unrecht der Versailler Bedingungen zu einer weiteren kriegerischen Auseinandersetzung führen müsse. Und dieser ausländische Politiker war nicht der einzige, der das Versailler Diktat mißbilligte. Und warum soll Versailles ein wesentlicher Grund für die „Machtergreifung” Hitlers — die ja eine Machtübergabe durch die demokratisch gewählten Abgeordneten war! — gewesen sein? Das Versailler Diktat war ein Grund, weil durch es eine derartige Verelendung der Mehrheit der Bevölkerung herbeigeführt war, daß nach jedem Rettungsanker gegriffen wurde. Durch die ebenso verbrecherisch herbeigeführte Weltwirtschaftkrise von 1929 wie die von 2008/2009 wurde die Verelendung noch erheblich gesteigert. Und wenn man dann noch bedenkt, daß die gleiche „Wallstreet”, die die Krise herbeigeführt hat, die NS-Bewegung finanzierte, dann erkennt man, daß die hohe Politik auch in Demokratien nicht durch Wahlen, sondern durch die Hochfinanz bestimmt wird. Das ist nicht nur ein „weltverschwörerischer” Schluß aus dem politischen Geschehen, sondern es wurde von der Hochfinanz im Jahre 1913 auf der Bankenallianz in Paris deutlich verkündet: „Die Stunde hat geschlagen für die Hochfinanz, öffentlich ihre Gesetze zu verkünden, wie sie es bisher im verborgenen tat. Sie ist bestimmt, die Nachfolge der Kaiser-und Königreiche anzutreten mit einer Macht, die sich nicht nur über ein Land, sondern über den ganzen Erdball erstreckt.”
Nach der vorangehenden Betrachtung ist die Frage von Prof. Stuby: „Wäre es nicht an der Zeit, mit einigen Legenden aufzuräumen?” klar zu verneinen. Und womit sollte aufgeräumt werden? Mit der deutschen „Weinerlichkeit”, mit der vom „Dolchstoß, militärischer ,Entmannung’” sowie von „rücksichtsloser ökonomischer Ausbeutung (Reparationen)” gesprochen werde. Daran schließt sich die Frage: „Könnte es nicht sein, daß die Alliierten in Versailles ein für ihre Zeit durchaus faires Angebot machten ...?” Da sollen wir uns für die „Großzügigkeit” der Siegermächte des Ersten Weltkriegs noch bedanken, daß sie uns so rücksichtslos aussaugten, daß es Hundertausende von Nachkriegshungertoten gab!?
Ein offensichtlich deutscher Professor bemüht sich also, den Wunsch Walter Lippmans zu erfüllen, dass die Siegergeschichtsschreibung in die Universitäten und die Schulen dringe, weil erst dann der Sieg ein vollendeter sei.
Solcher Stimmungsmache ist eine entschiedene Abfuhr zu erteilen!
Elke und Dr. Gundolf Fuchs, Telsekamp 11, 25770 Hemmingstedt, 15.11.2009