Parteitag der Ratlosen
Für diejenigen, die noch darauf hofften, dass die CDU die Kraft zur Erneuerung aufbringen würde, war der Parteitag eine Enttäuschung. Für die politischen Realisten dagegen war er eine Bestätigung dessen, dass diese Regierungspartei am Ende ist. Da die CDU die haupt-sächliche Stütze der BRD ist, ergibt sich daraus die Perspektivlosigkeit für das ganze gesell-schaftliche System. Die CDU ist rückwärtsgewandt. Sie sagt, dass die „Soziale Marktwirt-schaft“ das bewährte Mittel sei, mit dem die Wirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise abgewehrt werden können. Meint sie damit, die „Soziale Marktwirtschaft“ an die Stelle des gegenwärtigen Wirtschaftssystems zu setzen? Offensichtlich weiß sie nicht oder will es nicht wahr haben, dass die „Soziale Marktwirtschaft“ nur eine Schimäre ist, ein Hirngespinst aus dem Kalten Krieg, das als Alternative zum Sozialismus diente und nie Realität war. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, auch auf deutschem Boden, hat sich die „Soziale Markt-wirtschaft“ als schillernde Seifenblase längst verflüchtigt. Nichts ist zurückgeblieben als rücksichtsloses Raubrittertum und Schulden, Schulden und nochmals Schulden. Angesichts der düsteren Aussichten, das Jahr 2009 als „Jahr der schlechten Nachrichten“, soll nun mit der „Sozialen Marktwirtschaft“ Hoffnung erzeugt werden. Doch wir wollen keine neuen Nebelschwaben, sondern Realpolitik, Realpolitik im Interesse des Volkes, fernab von jeg-lichem globalen Führungsanspruch des Westens im Tross der USA. Endlich einmal ohne Scheuklappen sich der schöpferischen Arbeit widmen, endlich einmal frei die Ärmel hoch-krempeln, das will unser Volk. Insofern war dieser CDU-Parteitag ein Schlag ins Wasser, denn ein Weiter-so-wie-Bisher wird es nicht geben. Jetzt ist Umbruch angesagt. Oder wie es die Mehrheit der Amerikaner nennen „Change“. Nicht als Folge einer Hauruck-Aktion, sondern als Folge einer Weichenstellung. Gesellschaftlicher Wandel ist auch unsere Chance, unsere einzige. Ob er in den USA gelingt, hängt von den Demokraten in den USA ab, das Neue mit der Kraft des Volkes zu verbinden und ebenso bei uns, vom Verstand der Erneuerer und von ihrem Mut, grundsätzliche Alternativen zum derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystem zu entwerfen und in die Tat umzusetzen. Wir brauchen nicht die alten Verführer mit ihren Sirenengesängen, sondern den Bürger-Elan, die Bürger-Ideen und den Bürger-Willen als Gestaltungselemente des Neuen. Wenn die Mehrheit der US-Bürger sich zum Wandel bekennt und bereit ist, sollten wir ebenfalls unsere Kräfte zusammennehmen und beweisen, dass wir auf demokratische Weise und wohldurchdacht die alten Formen ablegen können.
Freiheit für Deutschland, das ist die Entscheidung für die Zukunft!
J. Hertrampf